Auftakttagung: Erbe ’89. Politisierung der Erinnerung – Deutungsversuche und Erklärungsansätze

Am 29. und 30. November fand in Leipzig unsere Auftakttagung statt. Wir möchten uns noch einmal bei allen Beteiligten herzlich bedanken – vor allem für die anregenden Vorträge und Diskussionen.

Unsere Tagung fand einige mediale Aufmerksamkeit. So berichtete der Deutschlandfunk in „Aus Kultur- und Sozialwissenschaften“ am 5. Dezember. Landeskorrespondent Bastian Brandau sprach mit der Projektmitarbeiterin Greta Hartmann über den umkämpften Charakter von ’89, mit der Historikerin Ute Frevert über das Narrativ der Demütigung in Ostdeutschland sowie mit Anna Lux, ebenfalls Mitarbeiterin im Projekt, über ostdeutsche Identitätsverhandlungen in der Popmusik:  https://www.ardaudiothek.de/aus-kultur-und-sozialwissenschaften/das-erbe-von-89-politisierung-der-erinnerung/69676894

Ein Tagungsbericht von Mandy Tröger und Daria Gordeeva findet sich auf dem Blog „Das mediale Erbe der DDR“: https://medienerbe.hypotheses.org/1007

Bereits einige Tage vor der Tagung berichtete Radio Corax in einem Gespräch mit Greta Hartmann über die Schwerpunkte der Tagung: https://radiocorax.de/erbe-89-politisierung-der-erinnerung/

Nils Kahlefendt blickt für MDR Kultur auf die Tagung zurück. Neben Interviews mit den ProjektmitarbeiterInnen Anna Lux und Alexandner Leistner bietet das Feature ausführlichere O-Töne nebst Einordnung von David Begrich, Toralf Staud, Karl-Siegbert Rehberg, Barbara Thériault, Ute Frevert und Andreas Kötzing - verbunden durch von der Tagung oder ihrem Thema inspirierte, popkulturelle Einschübe: https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung867650.html

Greta Hartmann, Alexander Leistner und Monika Wohlrab-Sahr
Anregende Diskussionen
Ute Frevert, Anna Lux und Hedwig Richter im Gespräch

"Letztes Jahr Titanic". Momentaufnahmen einer verunsicherten Zeit (1989/90). Filmvorführung und -gespräch

Am Vorabend der Tagung (28. November) zeigten wir den Dokumentarfilm "Letztes Jahr Titanic" (1991) von Andreas Voigt und diskutierten mit dem Regisseur. Der Film spielt zwischen Dezember 1989 und Dezember 1990 in Leipzig. Er reiht Absurdes an Berührendes, Wut steht neben Angst und Freude. Der tiefgreifende Umbruch und die Verunsicherungen werden in jedem Gespräch spürbar, das der Regisseur führt, egal ob mit Arbeitern, einer Journalistin oder mit Jugendlichen. Der Film spiegelt die vielschichtigen Erfahrungen dieser Zeit, ist Tragödie und Groteske gleichermaßen. Zudem ist der Film auch hochaktuell. Entsprechend groß war das Interesse, der Saal mit 200 Plätzen in der Leipziger Albertina fast vollständig besetzt. Die Abendveranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.

Tina Flux im Gespräch mit Andreas Voigt
Filmausschnitt "Letztes Jahr Titanic"
Zuschauer*innen am Eröffnungsabend

"Zur Aktualität von 1989 als Widerstandserzählung" - neue Projektpublikation

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, widmet sich dem 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Unter dem Titel "Das letzte Jahr der DDR" versammelt das Heft Beiträge u.a. zur Frage wofür die friedliche Revolution 30 Jahre nach dem Mauerfall steht und welche Rolle die Erinnerung in aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in Ostdeutschland spielt. Greta Hartmann und Alexander Leistner aus dem Teilprojekt zur "Politisierung von 1989" haben dafür einen Aufsatz beigetragen, der einen Abriss über geschichtpolitische Bezugnahmen und Instrumentalisierungen von 1989 im Kontext von Protestbewegungen liefert. Dabei wird auch die Rolle von 1989 in den aktuellen ostdeutschen Wahlkämpfen beleuchtet. Eine Übersicht der aktuellen Debatte über die Instrumentalisierung der friedlichen Revolution hat die Robert Havemann Gesellschaft erstellt. Sie dokumentiert dort Stellungnahmen und Zeitungsbeiträge zu dieser Diskussion.


 

Szenische Lesung mit Manja Präkels

1989/90. Brandenburgische Provinz. Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und Angelfreunde. Sie spielen Fußball zusammen und berauschen sich bei Familienfesten an den Schnapskirschen ihrer Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht ihre Freundschaft. Mimi wird zur linken Zecke, Oliver unter dem Kampfnamen Hitler zum Anführer von marodierenden Jugendbanden.

In ihrem Debütroman erzählt die 1974 in Zehdenick/Mark geborene Autorin Manja Präkels von Jugendlichen zur Wendezeit. Es geht um das Verschwinden von Vertrautem, um Freundschaften und Wut, um Aufbrüche und Weggehen und um die Frage, wie damit umgehen, wenn die eigene Heimat Angst macht. Der Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß ist autobiographisch geprägt. Es ist ein historisches Buch und ein hochaktuelles. Präkels erhielt für ihren Roman 2018 u.a. den Jugendliteraturpreis sowie den Anna-Seghers-Preis. Sie gehört heute zu den wichtigsten Stimmen zum Thema Rechtsextremismus und Ostdeutschland.